Haarsprechstunde für Männer

Kein dickes Fell – wenn ein „ganz normales“ Phänomen die Lebensqualität mindert

Irgendwann erwischt es die meisten Männer: im Kamm oder im Abfluss der Dusche sammeln sich auffällig viele Haare. Die Stirn wird immer höher, der einst volle Schopf lichtet sich am Hinterkopf. Vielleicht fallen sogar spöttische Bemerkungen im Freundeskreis. Diese werden zwar tapfer pariert – doch der Haarverlust setzt vielen Betroffenen mehr zu, als sie zugeben möchten. Sie empfinden ihr neues Erscheinungsbild als unattraktiv, der Blick in den Spiegel macht nervös und traurig.

Auch die Medizin befasst sich intensiv mit dem „typisch männlichen“ Haarverlust, im Fachjargon „androgenetische Alopezie des Mannes“ oder „anlagebedingter Haarausfall“ genannt. Schließlich handelt es sich um ein natürliches Phänomen, das – wohl oder übel – zum Mannsein gehört. Die androgenetische Alopezie gilt nicht als Krankheit.

Muster des Verlusts

Typisch ist folgendes Muster: Zuerst bilden sich Geheimratsecken, der Haaransatz an der Stirn weicht zurück. In der Scheitelregion wird das Haar immer lichter, sodass die Kopfhaut durchschimmert. Die verbleibenden Haare sind feiner und flaumiger.

Auch eine Lichtung der Haare am Hinterkopf, die bis zur Tonsur führen kann, ist typisch – ebenso wie die Tatsache, dass mit der Zeit einzelne kahle beziehungsweise lichte Areale ineinander übergehen. Interessanterweise wächst selbst bei Männern mit „Spiegelglatze“ immer noch ein hufeisenförmiger Haarkranz, der über den Hinterkopf von Ohr zu Ohr führt.

Zupfen, zählen, gucken

In den allermeisten Fällen steckt die Ursache für den Haarausfall bei Männern allerdings im Erbgut, das heißt er hat genetische Ursachen. Aufgrund der typischen „Musterbildung“ am Kopf ist der anlagebedingte Haarausfall gut zu diagnostizieren.

Mögliche weitere Untersuchungen sind der Zupftest (Pull-Test) und ein Trichogramm (Untersuchung der Haarwurzeln unter dem Mikroskop). Sie zeigen, wie aktiv die Haarfollikel sind und welcher Verlauf des Haarausfalls künftig zu erwarten ist. Manchmal werden die Patienten aufgefordert, daheim die täglich ausgefallenen Haare zu zählen, um einen realistischen Eindruck vom tatsächlichen Verlust zu diagnostizieren.

Es ist möglich, dem haarlosen „Schicksal“ ein Schnippchen zu schlagen. Durch verschiedene medizinische Möglichkeiten kann es gelingen, den Haarausfall deutlich zu bremsen, gekonnt zu kaschieren oder sogar „neue“ Haare zum Sprießen zu bringen. Ärzte und Apotheker kennen die verfügbaren Mittel. Sie wissen, welche Methoden beim Kampf gegen das „haarige Leid“ die größten Erfolge zu versprechen.